Die Reerdigung ist eine neue Bestattungsart auf dem Friedhof.
Kompost, Herz jeden Bio-Gartens

Reerdigung – Bestattung ohne Sarg

24. September 2022

Reerdigung ist die natürliche Kompostierung Verstorbener, bevor ihre Erde auf einem Friedhof beigesetzt wird. Wir haben Pablo Metz in Mölln getroffen, nachdem die erste Reerdigung in Deutschland von Pastorin Hilke Lage begleitet wurde.

Schöpferischer Kreislauf

Weil aus den Rosen des Sommers neue Erde für die Fruchtbarkeit kommender Jahreszeiten wächst, hält ein Gärtner seinen Kompost am Leben. Ohne Wärme, Luft und Feuchtigkeit anders gesagt Energie, Sauerstoff und Wasser wäre die Bildung von fruchtbaren Humus allerdings unmöglich und unsere Erde nur ein unbelebter Stern.

Bestattung in der Natur

Alternatives Leben und Nachhaltigkeit sind nicht nur Schlagworte und Trend, sondern Weltanschauung geworden. Mit der Reerdigung möchten deren Aktivist*innen die Bestattung ohne Sarg und Krematorium in’s Bewusstsein rücken, zumal auf gewachsener Erde Natur gedeiht, Asche von verstorbenen Personen dagegen die Umwelt eher belastet. Hersteller*innen von Sarg und Urne nehmen zwar Einfluß auf Deutschlands Bestattungsgesetze, doch Friedhöfe öffnen sich allmählich neuen Bestattungsarten.

Wie funktioniert Reerdigung?

  • Kosten 2100 €
  • Überführung Verstorbener nach Mölln
  • Aufbahrung, Abschied und Einbettung
  • 40 Tage biologische Transformation zu Erde
  • Beisetzung auf einem Friedhof
  • Aufschüttung und Grabbepflanzung

Hiesiges Bestattungsrecht regelt den Ablauf dergestalt, dass die Reerdigung auf einem Friedhof stattfinden muß. Deshalb befindet sich Deutschlands erstes Alvarium auch in der ehemaligen Kapelle des Neuen Friedhofs in Mölln. Sobald weitere 30 Stationen (eventuell in Berlin) eingerichtet sind, lässt sich die Reerdigung günstiger kalkulieren. Die 2100 € für deine Erde enthalten weder Überführungskosten, noch Friedhofsgebühren. Von Berlin nach Mölln ist es schließlich kein Katzensprung.

Reerdigung - auf Blumen gebettet in den Kreislauf der Ewigkeit gelangen.
Start-up Circulum Vitae

Die beeindruckende Maschinerie Kompost setzt einen biologischen Umwandlungsprozeß in Gang, dementsprechend Max Huesch seinen Kokon zur Reerdigung technisch nachempfunden hat. Sauerstoff-Wasser-Verhältnisse bleiben darin kontrolliert, während aufgespeicherte Lebensenergie als Wärme (50-80°C) frei wird, sorgt sanfte Bewegung für Zirkulation. Dabei verändern organische Substanzen das Wesen ihrer bisherigen Struktur. Richtigerweise bedeutet Verwesung Neuformierung der Stoffe, ein Kreislauf der auch zerkleinerte Knochen klimafreundlich integriert.

Der erste Kokon von Meine Erde ist im Grunde genommen ein zeitsparender Thermokomposter aus Edelstahl in Form eines Sarges. Die Wabe umschließt ihn und bildet außerdem einen würdevollen Raum, denn juristisch gesehen beginnt mit der Einbettung verstorbener Menschen deren Bestattung.

Was ist die umweltfreundlichste Bestattung?

Seitdem FriedWald und Oase der Ewigkeit die Feuerbestattung in der Natur anbieten, hoffen Bestatter*innen und Friedhöfe auf ein Comeback der Erdbestattung. Das Zauberwort Kompost verbindet die Welt des Nutzgartens symbolisch mit Friedhof und Grab, das Original heißt übrigens nicht Reerdigung sondern Recompose.

Ob Kompostierung und Bestattungen ohne Sarg besser für das Klima als biologisch abbaubare Urnen sind, könnten wissenschaftliche Untersuchungen ermitteln.